Im Fokus: Kolonialprofitur Sönke Nissen. Welche Erinnerung im Museum ist der Mann wert? Eine deutsch-namibische Aushandlung.
Der Praxistag 2026 des Landesmuseum Schleswig-Holstein widmet sich dem schleswig-holsteinischen Kolonialprofiteur Sönke Nissen und der Frage, wie seine Person künftig angemessen im Museum präsentiert werden kann. Am Vormittag führen:
- Marco Petersen (Historiker an der Dänischen Zentralbibliothek in Flensburg),
- Golda Ha-Eiros (Kuratorin Liberation Heritage, Ministerium für Verteidigung und Veteranenangelegenheiten, Windhoek, Namibia) und
- Dr. Inken Carstensen-Egwuom (wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa-Universität Flensburg und Mitglied des Netzwerkes Flensburg Postkolonial)
in die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe des Themas ein.
Am Nachmittag wird in einem Workshop gemeinsam mit Golda Ha-Eiros sowie Vertreter*innen verschiedener Bildungsbereiche und der Kulturpolitik Eckpfeiler ein partizipatives deutsch-namibisches Ausstellungskonzept erarbeitet.
Wann: 9. November 2026 | 10:00 bis 16:00 Uhr
Wo: Museumsinsel Schloss Gottorf | Schlossinsel 1 | 24837 Schleswig
Kosten: 35,- €
Zum Hintergrund: Sönke Nissen wurde 1870 im heutigen Schleswig-Holstein geboren und starb dort 1923 als angesehener Wohltäter. Als leitender Bauingenieur verantwortete er in Namibia den Bau einer Eisenbahnlinie, die unter ausbeuterischen und freiheitsberaubenden Arbeits- und Lebensbedingungen für die namibischen Arbeiter*innen errichtet wurde. Während der Bauarbeiten stieß ein Arbeiter auf ein Diamantenfeld, von dem Nissen große Anteile erwarb. Mit dem daraus resultierenden Vermögen engagierte er sich später in seiner Heimat als Wohltäter. Erst in jüngerer Zeit hat die kritische Aufarbeitung seiner kolonialen Vergangenheit das lange Zeit positive Erinnerungsbild ins Wanken gebracht.
Von Flensburg Postkolonial wird Dr. Inken Carstensen-Egwuom um 13 Uhr den Kurzvortrag „Kein funkelndes Geschäft!“ halten: Sie beleuchtet, wie transimperiale Verflechtungen, koloniale Extraktion und globale Wertschöpfungsketten von Diamanten die Lebenswege von Akteuren wie Ludwig Nissen prägten und welche Muster globaler Ungleichheiten bis in die Gegenwart reichen.
Weitere Informationen zu den Speaker*innen sowie zum Programm finden sich hier.
Die Anmeldung erfolgt per Mail an Nicole Gifhorn (Fachpromotorin für Globales Lernen/ Eine Welt im Museum): nicole.gifhorn@landesmuseen.sh
