Forschung

Diese Seite widmet sich Projekten und Veröffentlichungen, die Flensburgs kolonialen Verflechtungen betrachten und erforschen. Wichtig ist hierbei, dass Kolonialismus und Wissenschaft nicht getrennt voneinander zu denken sind. So stellten wissenschaftkliche Institutionen und Forschende durch Rassentheorie, (rechtliche) Konzepte von Privateigentum und Methoden wie das Kartographieren von Gebieten oder ethnographische Studien nicht selten die Rechtfertigung und die Werkzeuge für die Entmenschlichung Schwarzer Menschen und die koloniale Landnahme bereit. Nicht zuletzt bedeutete Kolonisation auch stets die proaktive Vernichtung von lokalem, indigenen Wissen in den kolonisierten Gebieten. Auch heute wirken koloniale Strukturen im Wissenschaftssystem fort – sei es durch mangelnde

Projekte/Gruppen

Forschungsgruppe Kolonialität in Hafenstädten, Europa-Universität Flensburg

Die Forschungsgruppe Kolonialität in Hafenstädten an der Europa-Universität Flensburg setzt sich unter anderem mit Flensburgs kolonialer Vergangenheit und den daraus resultierenden noch heute wirksamen Verflechtungen und (Stadt-)Infrastrukturen auseinander. Ansatzpunkt ist dabei die postkoloniale Stadtforschung.

Neben der Reflexion von historischen und aktuellen Bezügen zwischen der Karibik und Flensburg stehen unter anderem auch Aushandlungsprozesse zu post_kolonialem Erinnern und Vergessen im Fokus der Forschungsgruppe.

Projekt Kolonialerbe am Flensburger Schifffahrtsmuseum

Auch das Flensburger Schifffahrtsmuseum ist ein Ort, an dem durch Ausstellungen, Vorträge und verschiedene Projekte, wie die Sonderausstellung „Rum, Schweiß & Tränen“, die Beteiligung am Projekt Sønderjylland-Schleswig Kolonial oder die Intervention „A Gesture to Find“ der Theaterwerkstatt Pilkentafel, zur Erforschung der kolonialen Bezüge Flensburgs und deren erinnerungspolitischer Aufarbeitung beigetragen wird.

Mit der anlässlich des 100. Jahrestages präsentierten, von Imani Tafari-Ama kuratierten Ausstellung „Rum, Schweiß & Tränen“  stellte das Schifffahrtsmuseum auch erstmals einen Raum für eine afrikanisch-karibische Perspektive auf den Flensburger Zucker- und Rum-Handel bereit. Die Ausstellung präsentierte Tafari-Amas ethnographische Feldforschung zu Flensburgs Kolonialgeschichte und deren Verknüpfungen nach Ghana und in die Karibik.

Forschungsgruppe Intercultural studies, Roskilde University

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe Intercultural Studies an der Roskilde Universität in Dänemark beschäftigt sich mit kulturellen Begegnungen und kultureller Komplexität, indem sie sich Unterschieden und Fragen der Macht auf lokaler, globaler sowie räumlicher und zeitlicher Ebene widmen. Einer der vier Schwerpunkte der Gruppe sind postkoloniale Studien, innerhalb dessen die Gruppe auch an Themen von Kolonialität und Dekolonisierung im skandinavischen Raum forscht und Dänemarks Kolonialgeschichte thematisiert. Die Arbeitsgruppe gibt außerdem die wissenschaftliche Zeitschrift Kult heraus, die sich mit dem postkolonialen Dänemark befasst.

Publikationen

Imani Tafari-Ama - Afrikanisch-karibische Perspektiven auf Flensburgs koloniale Verflechtungen

Imani Tafari-Ama ist eine jamaikanische Kulturwissenschaftlerin, die 2017 in Flensburg die Ausstellung „Rum, Schweiß und Tränen“ kuratierte. Im Rahmen ihres Aufenthalts in Flensburg als Kuratorin widmete sich Imani Tafari-Ama enthnografischer Feldforschung zu Flensburgs kolonialen Verflechtungen nach Ghana und in die Karibik. Die Ergebnisse dieser Feldforschung gingen anschließend in die Konzeption der Ausstellung „Rum, Schweiß und Tränen“ ein, die vom 11. Juni 2017 bis 4. März 2018 im Flensburger Schifffahrtsmuseum gezeigt wurde.

Reflektionen über die Ausstellungs sowie Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichte Tafaria-Ama auch in mehreren Zeitschriften oder Sammelbänden:

  • Tafari-Ama, Imani (2020): „An African Carribean Perspective on Flensburg’s Colonial Heritage“,  in: Kult 16, S. 7-30.
  • Tafari-Ama, Imani (2018): »Rom, sved og tårer. Danmarks kolonihistorie og koloniale arv i Flensburg, Ghana og på De Amerikanske Jomfruøer. Et essay«, in: Marco L. Petersen (Hg.), Sonderjylland – Schleswig Kolonial. Kolonialismus kulturelle arv i regionen mellem Kongeanen og Ejderen. Das kulturelle Erbe des Kolonialismus in der Region zwischen Eider und Königsau, Odense: Syddansk Universitetsforlag, 431-463.
  • Tafari-Ama, Imani (2017): »Rum, Schweiß und Tränen. Flensburgs Kolonialgeschichte und -erbe«, in: Grenzfriedenshefte, S. 85-104.
Sammelband Sønderjylland-Schleswig Kolonial

Der von Marco Petersen 2018 herausgegebene Sammelband Sønderjylland-Schleswig Kolonial beschäftigt sich in 21 Beiträgen aus verschiedensten Perspektiven mit der dänisch-deutschen Kolonialgeschichte. Die Beiträge sind allesamt auf Dänisch oder Deutsch verfasst und thematisieren unterschiedliche Aspekte, anhand derer die kolonialen Verknüpfungen deutlich werden: vom Schiffsverkehr über Flensburger Ziegel und Mahagoniholz bis hin zu Museumsobjekten, Schulen oder Persönlichkeiten wie Sönke Nissen.

Aus dem Projekt Sønderjylland-Schleswig Kolonial ging neben dem Sammelband außerdem noch eine Karte mit kolonialen Erinnerungsorten in der Region Sønderjylland-Schleswig hervor, auf der auch für Flensburg einige Orte mit Fotografien und kurzen Informationen versehen eingetragen sind.

Journal Kult

Kult ist eine wissenschaftliche Online-Zeitschrift, die sich den Diskursen rund um die Themen dänische Kolonialgeschichte, dänisches Commonwealth und dänische Konzeptualisierung von Migration widmet. Die Zeitschrift wird von Arbeitsgruppe Intercultural Studies an der Roskilde Universität herausgegeben und ist kostenlos über die Kult-Website zugänglich.

Luisa Ascending - Artistic Research

In ihrer Austellung „Luisa Ascending“ beschäftigt sich Felisha Maria Carenage mit der Geschichte der 14-jährigen Luisa Calderón, die im frühen 19. Jahrhundert auf Trinidad in der Karibik lebte. Im im Rahmen der Ausstellung entwickelten Flyer greifen Felisha Maria Carenage und Inken Carstensen-Egwuom im Zusammenhang mit der Geschichte von Luisa Flensburgs Verwicklungen in dänischen, deutschen sowie britischen Kolonialismus auf.

Ancestral Queendom - Reflections on the Prison Records of the Rebel Queens of the 1878 Fireburn in St. Croix
Abschlussarbeiten zu Flensburgs kolonialen Verflechtungen

Im Folgenden sind einige Abschlussarbeiten aufgeführt, die sich mit Flensburgs kolonialen Verflechtungen beschäftigen:

  • Nelo A. Schmalen (2021): (Post-)Kolonialität und urbane Transformation am Hafen-Ost in Flensburg
    Die Arbeit befasst sich in mit den stadträumlichen Veränderungen am Hafe-Ost und arbeitet heraus, inwiefern dieser Raum durch koloniale Verflechtungen geprägt ist. Mit den im Rahmen der Arbeit erstellten Karten des Hafengebiets werden Veränderungen der Hafenkante, des Geländes und der Infrastruktur sichtbar.
  • Signe Jensen (2018): „Rum City: Reflections on the Rum, Sweat, and Tears exhibition“
    In ihrer Masterarbeit im Fach Cultural Encounters an der Roskilde Universität Dänemark beschäftigt sich Signe Jensen mit de Rezeption der Ausstellung „Rum, Schweiß und Tränen“ im Flensburger Schifffahrtsmuseum. Jensen arbeitet in ihrer Arbeit kognitive Dissonanz als fundamentales Element kolonialer Erinnerungskultur in Flensburg heraus.